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In dieser Arbeit wurden zum ersten Mal Graphen auf hydrophobem Substrat präpariert und die Auswirkungen der hydrophoben Umgebung auf den elektronischen Transport und Magnetotransport untersucht. Betrachtet man die hier verwendeten Proben, ist es ersichtlich, dass im Vergleich zu Graphen auf unbehandeltem SiO2 der hydrophobe Charakter des verwendeten Substrates sie positiv beeinflusst. Proben auf hydrophilem Substrat (SiO2) werden durch die polaren Moleküle an dessen Oberfläche beeinflusst. Es wird eine massive Hysterese im Feldeffekt beobachtet sowie eine hohe intrinsische Dotierung der Graphenproben. Dies wurde bereits sowohl auf Ladungsübertragung von polaren Molekülen wie z. B. H2O, als auch auf die auf der Oberfläche des SiO2 sich bildenden Silanolgruppen zurückgeführt. Durch die Behandlung des Substrats mit HMDS bzw. OTS entsteht eine mit dem Substrat kovalent verbundene sich selbst organisierende hydrophobe Schicht. Da die Silanolgruppen von der Substratoberfläche dadurch entfernt wurden, können sich keine polaren Moleküle mehr anlagern. Sie werden durch das hydrophobe Substrat abgestoßen, was zu einer reproduzierbaren Reduzierung der Dotierung der Proben führt. Diese bleibt auch unter Atmosphäre zeitlich stabil. Die fehlenden Dipole auf dem Substrat führen zudem zu einer massiv reduzierten, bzw. bei HMDS behandeltem Substrat verschwindenden, Hysterese. So ist das Graphen auf Trimethylsilan in Dotierung und Ausprägung der Hysterese sogar unter Atmosphäre stabil. Zusätzlich ist eine weite Streuung der Mobilität zu beobachten und Werte bis zu 22000 cm2/Vs sind erreichbar. Die untersuchte Präparationsmethode kann die Mobilitäten der freihängenden Proben zwar nicht erreichen und zeigt auch nicht die Güte der Messungen von Proben auf BN, bietet im Schnitt aber eine höhere Mobilität als unbehandelte Substrate sowie eine unter Atmosphäre stabile, reproduzierbar niedrige Dotierung und eine nahezu nicht vorhandene Hysterese. Weiterhin können die Proben auf HMDS eine niedrigere Ladungsträgerdichteinhomogenität zeigen wie Proben auf unbehandeltem Substrat. Voraussetzung scheint die gute Qualität der hydrophoben Schicht zu sein, da sich ansonsten die Inhomogenität durch Defekte in der Silanschicht wieder verstärken könnte. Allerdings sind durch die hydrophobe Schicht Adsorbate oberhalb der Flocke nicht zu beeinflussen, die offensichtlich auch zur Inhomogenität beitragen. In den Leitfähigkeitsmessungen wird zudem durch den sublinearen Verlauf ersichtlich, dass es zwei Arten von Streuung gibt, die in Graphen bei verschiedenen Ladungsträgerdichtebereichen dominant werden. Auch auf hydrophobem Substrat konnte ein sublinearer Verlauf bei höheren Ladungsträgerdichten und damit der Einfluss der kurzreichweitigen Streuung in Graphen festgestellt werden. Er zeigt sich deutlich niedriger als bei Proben auf Substrat, auch BN. Somit zeigen die Proben in dieser Arbeit eine deutlich andere Streuungscharakteristik als Graphenproben auf hydrophile Substrate. Dies zeigt, dass diese Art von Streuung von der hydrophoben Schicht reduziert werden kann. Zudem wird deutlich, dass die Mobilität der untersuchten Proben hauptsächlich von Streuung durch großflächig wirksame Unordnung wie z. B. Morphologie des Substrats oder der Eigenwelligkeit des Graphens eingeschränkt wird, die bei freihängenden Proben und auf BN massiv reduziert wird. Ob die niedrigere Inhomogenität oder niedrigere kurzreichweitige Streuung zur besseren Sichtbarkeit des QHE beiträgt kann aus diesen Messungen nicht aufgeklärt werden. Proben auf hydrophobem Substrat können allerdings sehr deutliche SdH Oszillationen mit einem sehr frühen Ansatz bei BSdH=820 mT zeigen, mit Proben auf BN mit BSdH=780 mT vergleichbar, so dass Füllfaktoren bis zu 62 sichtbar werden. Dies zeigt eine Reduktion der Kleinwinkelstreuung auf hydrophobem Substrat, da diese zwar die Lebensdauer eines Elektronenzustands beeinflusst, die Mobilität allerdings kaum. Wie die Reduktion der Kleinwinkelstreuung stattfindet kann nicht eindeutig festgestellt werden, es sollte aber entweder durch die Passivierung der Substratoberfläche oder der Reduktion der polaren Moleküle verursacht werden. Die hydrophobe Schicht bietet also ein Substrat für Graphen, das vorwiegend eine niedrige Dotierung und höhere Mobilität sowie eine verschwindende Hysterese zur Folge hat. Diese Eigenschaften bleiben stabil und unabhängig von Umgebungsbedingungen wie z. B. Luftfeuchtigkeit. Zusätzlich wird aus der reduzierten Dichte der polaren Moleküle am Graphen eine etwas höhere Homogenität erzeugt. Eine deutlich niedrigere Ausprägung der kurzreichweitigen Streuung ist möglich, was zu einer unterschiedlichen Streuungscharakteristik im Vergleich zu Graphen auf Substraten wie SiO2 oder BN führt. Dieser Unterschied in der Streuung zeigt sich auch durch die reduzierte Kleinwinkelstreuung, die eine bessere Sichtbarkeit des QHE verursacht.
Published in: OPUS Publication Server of the University of Stuttgart (University of Stuttgart)
DOI: 10.18419/opus-6787