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Die entscheidende Überlegung dieses Buches findet sich in einer These, die Siegfried Weischenberg einmal folgendermaßen formuliert hat: „Offene Mediensysteme westlichen Typs haben einen Doppelcharakter: einerseits verstehen sie Presse und Rundfunk als soziale Institutionen, die also der Allgemeinheit dienen sollen; andererseits sind die Medien eine Industrie und dienen damit — im weitesten Sinne — (wirtschaftlichen) Einzelinteressen. Einerseits sind sie — als Kinder der Aufklärung — philosophischen Werten verpflichtet; solche Werte sind Vernunft, Freiheit, Wissen, Mündigkeit; andererseits sind die Medien und ihre Journalisten an praktisch-pragmatischen Vorgaben und Zielen wie Reichweite, Konkurrenz, Redaktionsschluss, Professionalität und Karriere orientiert. Diese ‚eingebaute Schizophrenie‘ führt zu Widersprüchen zwischen Erwartungen gegenüber den Medien und den Leistungen, zu denen sich Medien und ihre Akteure in der Lage sehen.“ () Journalistisch tätig zu sein bedeutet also immer auch, potenziell konfligierende Ziele zu versöhnen oder doch zumindest diese Ziele mehr oder weniger reflektiert in Einklang zu bringen — und sich an den Paradoxien der Profession abzuarbeiten. Man kann diese Paradoxien und Widersprüche nicht immer sauber oder für andere nachvollziehbar auflösen, aber man kann sich zumindest darum bemühen, sie transparent zu machen, um dann das eigene oder das fremde Entscheidungshandeln zu einer neuen Stufe der Reflexion zu führen, um es so überhaupt der diskursiven Überprüfung zugänglich zu machen (vgl. Krainer 2001: 175).