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Das HADES-Spektrometer an der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) wurde ursprünglich entwickelt, um die seltenen Zerfälle der Vektormesonen ρ, ω und φ in e+e−-Paare bei Strahlenergien von 1-2 AGeV zu messen. Mehrere Experimente mit den leichten Stoßsystemen p+p, d+p und C+C wurden zu diesem Zweck bisher erfolgreich durchgeführt und deren Ergebnisse teilweise veröffentlicht. Um die vorausgesagten Mediumeffekte bezüglich der Modifikation von Masse und Breite der Vektormesonen zu untersuchen, sind jedoch schwere Stoßsysteme notwendig, bei deren Schwerionenkollision eine Hochdichtephase entsteht. Mit Ar+KCl bei 1.756 AGeV wurde im September/Oktober 2005 das erste dieser schwereren Stoßsysteme mit HADES untersucht. Das Spektrometer besitzt neben seiner Spezialisierung auf die e+e−-Identifikation jedoch auch die Möglichkeit Hadronen zu messen. Dies wurde bereits in mehreren Analysen der leichten Stoßsysteme prinzipiell aufgezeigt. Mit ca. 850 Millionen gemessenen semi-zentralen Reaktionen im Stoßsystem Ar+KCl bot sich die Möglichkeit für eine der umfangreichsten Hadronenanalysen bei SIS Energien, welche in dieser Arbeit vorgestellt wird. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Produktion von Teilchen mit strangeness-Inhalt, welche bei der verwendeten Strahlenergie überwiegend unterhalb oder knapp über der Nukleon-Nukleon Schwelle erzeugt werden. Um die für die Analyse erforderliche Impuls- und Vertexauflösung zu erreichen, muss zunächst die präzise Kenntnis der Detektorpositionen vorliegen. Die in dieser Arbeit beschriebene sogenannte alignment-Prozedur hat sich in dieser Hinsicht zur Standardmethode für das Spektrometer entwickelt. Sie umfasst neben einer neu eingeführten photogrammetrischen Vermessung mehrere Stufen, in denen unter anderem Teilchen aus der kosmischen Höhenstrahlung (cosmics) und Teilchenspuren aus speziellen Messungen ohne Magnetfeld Verwendung finden. Mit der Methode wird die Zielvorgabe von Abweichungen in der Positionsbestimmung unter 100μm für die zentralen Spurverfolgungsdetektoren erreicht. Ferner wurde erstmals die Position von allen HADES Detektoren relativ zueinander und zum Magnetfeld bestimmt. Eine wesentliche und sogleich notwendige Weiterentwicklung der Teilchenidentifikation für Hadronen basiert auf dem Energieverlust der Teilchen in den Vieldrahtdriftkammern (MDC). Diese Spurverfolgungsdetektoren wurden ursprünglich nicht für Messungen dieser Art konzipiert, was die Auflösung der Einzelmessungen stark beschränkt. Mehrere Kalibrierungsprozeduren sind notwendig um für jede Teilchenspur einen kombinierten und auf Bethe-Bloch normierten Energieverlustwert zu erhalten. Die resultierende Auflösung ist ausreichend, um Pionen und Protonen zu separieren sowie den Untergrund bei den geladenen Kaonen stark zu reduzieren. Mit den beschriebenen Verbesserungen ist es möglich geladene Pionen und Kaonen sowie Protonen im Akzeptanzbereich des Spektrometers mit hoher Effizienz zu identifizieren. Darüber hinaus lassen sich durch eine Korrelationsanalyse unter Verwendung der invarianten Masse die Teilchenzerfälle Λ → p π-, K0S → π+ π- und φ → K+K− rekonstruieren. Zur Untergrundreduktion im Bereich der Signale werden geometrische Schnitte auf die Zerfalls- und Produktionsvertices angewendet. Der restliche kombinatorische Untergrund wird mit dem neu eingeführten mixed-event Verfahren präzise angepasst und subtrahiert. Das Signal zu Untergrund Verhältnis im invarianten Massenspektrum der Λ-Hyperonen beträgt mit den gewählten Schnittkombinationen 0.3 bei einer Gesamtzählrate von 145.000 identifizierten Λ-Hyperonen. Die mehr als 50.000 K0S-Mesonen können mit einem Signal zu Untergrundverhältnis von besser als 1 rekonstruiert werden. Das Teilchenverhältnis von Λ zu K0S passt gut in die Systematik vorrangeganger Experimente. Die Korrekturen von Detektorakzeptanz und Detektoreffizienz, Schnitteffizienz sowie der Spurrekonstruktionseffizienz erfolgen unter Verwendung der Simulationspakete PLUTO, UrQMD und GEANT. Aus den korrigierten transversalen Massenspektren der zuvor aufgeführten Teilchensorten werden Rapiditäsverteilungen und schlußendlich Teilchenmultiplizitäten in den vollen Phasenraum extrapoliert. Auf Grund der fast vollständigen Bestimmung aller relevanten Teilchenmultiplizitäten mit strangeness-Inhalt lassen sich, unter Berücksichtigung der Seltsamkeitserhaltung bei der starken Wechselwirkung, Rückschlüsse auf den nicht beobachteten Anteil, welcher auf die geladenen Σ-Hyperonen entfällt, ziehen. Innerhalb der Fehler liegt der Anteil von Σ(±,0)-Hyperonen bei mindestens 12% der Λ Multiplizität. Dies ist der erste indirekte Nachweis von Σ-Hyperonen unterhalb der NN-Schwelle. Der Nachweis des φ-Vektormesons weit unterhalb der NN-Produktionsschwelle im Zerfallskanal φ → K+K− übertrifft mit einer Zählrate von 168 ± 18 die einzige bisher veröffentlichte Messung diesbezüglich um mehr als einen Faktor 7. Ein Novum ist die aus den Daten extrahierte effektive Temperatur der φ-Mesonen von Teff = 80 ± 9 + 2 − 3 MeV. Das ermittelte φ/K− Verhältnis beträgt 0.59+0.30−0.29 und ist damit wesentlich größer als bei ultra-relativistischen Energien. Die Erhöhung des φ/K− Verhältnis kann qualitativ durch Transportmodellrechnungen beschrieben werden. Die große Menge an rekonstruierten Teilchen ermöglicht die Bildung von mehreren unabhängigen Teilchenverhältnissen, welche mit einem statistischem Modell verglichen wurden. Dies erlaubt die Extraktion der gemeinsamen Ausfrierparameter T und μB, welche in guter Übereinstimmung mit bisherigen Ergebnissen stehen.