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Konfigurationen der familiären Hilfen für pflegebedürftige ältere Menschen in Europa. Anhand der Erhebung Share lässt sich untersuchen, welche Hilfe die Kinder den pfl egebedürftigen älteren Menschen von mindestens 65 Jahren in den europäischen Ländern leisten. Welche individuellen Verhaltensweisen führen zu Konfi gurationen familiärer Hilfe? Zwei Arten der Unterstützung kommen in Betracht, je nach dem, ob die Kinder mit ihren pfl egebedürftigen Eltern zusammenleben oder nicht. Der Anteil der älteren pfl egebedürftigen Menschen, die von ihrer Umgebung in irgendeiner Form Hilfe erhalten, ist bemerkenswert homogen: von 79 % in Schweden und in den Niederlanden bis 87 % in Italien. In den nordeuropäischen Ländern wird das seltenere Zusammenleben verschiedener Generationen durch eine häufi gere Hilfe der Kinder kompensiert. In den sechs untersuchten Ländern ist die Unterstützung der Kinder größer, wenn der Grad der Pfl egebedürftigkeit des Elternteils höher ist oder letzterer ohne Ehepartner lebt. Allerdings spiegelt sich das Nord-Süd-Gefälle in der Art und Weise wider, in der die Kinder bei Fehlen des Ehepartners ihren pfl egebedürftigen Elternteil unterstützen: vermehrtes Zusammenleben der Töchter im Süden und Ausweitung der Hilfe "von Fern“ durch die Söhne wie auch die Töchter im Norden. Lebt der Ehepartner beim pfl egebedürftigen Elternteil, ändert sich die Unterstützungslogik der Kinder. Bei Unterstützung des pfl egebedürftigen Elternteils durch seinen Ehepartner hängt die Hilfe der Kinder von individuellen Entscheidungen ab, deren Wahrscheinlichkeit mit der Zahl der Kinder zunimmt. Die Unterstützung von Elternteilen ohne Ehepartner würde dagegen einer Geschwisterlogik folgen, die ihnen unabhängig von der Zahl ihrer Kinder eine gleichwertige Hilfe gewährleistet. Bei zwei Geschwistern, deren Elternteil allein lebt, ist eine asymmetrische Wechselwirkung zwischen den Verhaltensweisen des älteren und des jüngeren Kinds festzustellen. Im Schnitt würde die Unterstützung des jüngeren von derjenigen des älteren Kinds abhängen (die Wahrscheinlichkeit der Unterstützung durch das jüngere Kind ist geringer, wenn sich das ältere um die Eltern kümmert), aber nicht umgekehrt.
Published in: Economie et Statistique / Economics and Statistics
Volume 403, Issue 1, pp. 97-115