Search for a command to run...
'Fuer das Verstaendnis des sozialen Wandels haben sich in der Soziologie drei typische Zugangsweisen herausgebildet: der Fortschrittsdiskurs in der Periode der klassischen Soziologie, der Krisendiskurs in der Mitte des 20. Jahrhunderts und der 'Trauma'-Diskurs, der am Ende des 20. Jahrhunderts hervortritt. Der Begriff des Traumas, uebertragen aus der Medizin, legt nahe, dass Wandel per se - gleichgueltig welchen Inhalts, vorausgesetzt er ist ploetzlich, umfassend, fundamental und unerwartet - einen schmerzhaften Schock fuer das soziale und insbesondere das kulturelle Gefuege einer Gesellschaft ausloest. Paradoxerweise trifft dies auch auf Faelle des Wandels zu, die ansonsten als fortschrittlich, willkommen und als von den Betroffenen intendiert anzusehen sind. Kulturelles Trauma beginnt mit der Aufloesung kultureller Regeln und persoenlicher Desorientierung und kann sogar zu Identitaetsverlust fuehren. Dieser Zustand wird verschaerft durch traumatisierende Ereignisse und Situationen, die sich als Folgen von Veraenderungen in anderen Bereichen ergeben und die gesamte 'Lebenswelt' der Menschen betreffen koennen. Der traumatischen Stimmung, die sich in einer Gesellschaft verbreitet, wirken unterschiedliche Bewaeltigungsstrategien entgegen. Sind sie erfolgreich, wird Trauma zur mobilisierenden Kraft menschlichen Handelns und zum Stimulans kreativen Zusammenlebens. Ein darauf gerichtetes theoretisches Modell wird in dem Beitrag angewandt und mit Daten getestet, die sich auf die radikalen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Transformationen in den Laendern Mittel- und Osteuropas nach dem Zusammenbruch des Kommunismus beziehen. Die Analyse des polnischen Falls legt nahe, dass das Modell von Trauma und langsamer kultureller Neukonsolidierung sich als angemessenes Interpretationsinstrument fuer diesen einzigartigen historischen Prozess eignet.' (Autorenreferat)