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Hans-Uwe Ottos Interesse an den organisatorischen Rahmenbedingungen Sozialer Arbeit reicht weit zurück. Insbesondere hat ihn aber auch immer der Einfluss der Sozialpolitik auf die Soziale Arbeit und das dadurch mitbedingte Professionsverständnis interessiert. Als die rotgrüne Bundesregierung 1999 begann, anfangs noch vage und als Verwaltungsmodernisierung getarnt, ihr Leitbild Aktivierender Staat in die Öffentlichkeit zu tragen, stand für ihn ziemlich schnell fest, dass dieses Leitbild nicht nur organisatorische Veränderungen in der Verwaltung, in den Sozialen Diensten und in der Sozialen Arbeit mit sich bringen wird. Er war überzeugt, dass das Aktivierungsparadigma letztlich ein völlig neues Sozialmodell impliziert, das für die Klienten des Sozialstaats, aber letztlich auch für die Bürger und Bürgerinnen schon mittelfristig weit reichende Veränderungen mit sich bringen könnte, wenn es verwirklicht würde. Geschärft durch den Blick auf Groβbritannien und die dortigen Transformationen des Sozialstaats durch die neoliberale Politik der Konservativen wie durch die neosoziale Politik der Blair-Regierung seit 1997, war ihm schnell klar, dass das viel beachtete und diskutierte Blair-Schröder-Papier von 1999 hoch brisant war, da der dort skizzierte Sozialstaatsumbau die Architektur des deutschen Sozialmodells und die Soziale Arbeit radikal verändern würde, vor allem auch, weil es von Elementen des Sozialstaatsabbaus getragen war. Hans-Uwe Otto hatte ein sicheres Gespür dafür, dass der deutsche Wohlfahrtsstaat vor ähnlich massiven Veränderungen steht wie der in anderen europäischen Ländern. Vor allem aber schien ihn die Möglichkeit einer fundamentalen Wende in der Sozialstaatsentwicklung (heute wissen wir rückblickend, dass sie stattgefunden hat) zu beunruhigen. Bis dahin war es in den Sozialwissenschaften üblich, den Sozialstaat und die von ihm organisierten Hilfen mit der Brille Niklas Luhmanns zu betrachten, der (übrigens auch in einem von Hans-Uwe Otto besorgten Sammelband) den Wohlfahrtsstaat als evolutionäre Errungenschaft der Moderne analysierte und lehrte, dass das organisierte Helfen in der Moderne relativ voraussetzungslos geworden sei, da es zu einer Entkopplung von Hilfs- und Dankerwartungen gekommen sei und dass sich dadurch ein Sicherheitshorizont des täglichen Lebens auf unbegrenzte Zeit entwickelt habe.