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Fur Sozialpolitik wird in Deutschland mehr Geld ausgegeben als fur jedes andere Politikfeld. Allein im Jahre 2004 waren es 691 Milliarden Euro. Das entspricht rund zwei Dritteln aller offentlichen Ausgaben und 31,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Noch hoher ist die Sozialleistungsquote, der Anteil der Sozialausgaben am Bruttoinlandsprodukt, in den neuen Bundeslandern: mit 46,6 Prozent ubertrifft sie die der alten Bundeslander (29,0 Prozent) um Langen. Mit seinen hohen Sozialausgaben ist Deutschland einer der sozialpolitisch weltweit fuhrenden Staaten – ein entwickelter „Wohlfahrtsstaat“. „Wohlfahrtsstaat“ ist die Ubersetzung des englischen Begriffs welfare state, der als Gegenbegriff zur nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“ entworfen wurde und heutzutage teils neutral beschreibend, teils positiv zustimmend verwendet wird. Im deutschen Sprachgebrauch hat „Wohlfahrtsstaat“ aber neben der neutral beschreibenden eine kritisch distanzierende Bedeutung als ein Obrigkeitsstaat, der seinen Untertanen Sozialschutz von der Wiege bis zur Bahre gewahrt und sie in Unmundigkeit halt. Gegen dieses Verstandnis von Sozialpolitik zielt der Begriff „Sozialstaat“, der in Deutschland bis heute die gangigere Munze geblieben ist (Kaufmann 2001).