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Einleitung: Hausgeburten sind in der Schweiz ein etablierter Bestandteil der geburtshilflichen Versorgung. Die Sicherheit von Mutter und Kind steht dabei im Zentrum. Um diese unter sich wandelnden gesundheitspolitischen, gesellschaftlichen und professionellen Bedingungen nachhaltig zu gewährleisten, wurde eine evidenzbasierte, praxisorientierte Kriterienliste für Hausgeburten entwickelt. Der folgende Beitrag beleuchtet Entstehung, interdisziplinäre Zusammenarbeit und Zielsetzungen dieses Leitdokuments. Hintergrund: Mit wachsender Nachfrage nach selbstbestimmten Geburtsmodellen und zunehmender Spezialisierung geburtshilflicher Angebote entstand das Bedürfnis nach einer schweizweit anerkannten Grundlage für die Indikationsstellung bei Hausgeburten. Bisherige Empfehlungen waren heterogen, teils veraltet oder nicht ausreichend auf den Schweizer Versorgungskontext abgestimmt. Ziel war es, eine evidenzbasierte, standardisierte und rechtlich belastbare Entscheidungsgrundlage zu schaffen, die Hebammen in ihrer Praxis unterstützt und gleichzeitig Transparenz gegenüber Klientinnen, Ärzteschaft und Behörden bietet. Methode: Die Erarbeitung erfolgte über 12 Monate (2024–2025) in mehreren Phasen: - Literaturrecherche: Internationale Leitlinien, wissenschaftliche Studien und nationale Standards wurden ausgewertet. - Delphi-Workshops: Erfahrene Hausgeburtshebammen entwickelten in einem partizipativen Prozess praxisnahe Kriterien. - Urabstimmung: erfolgte im April 2025 innerhalb des Schweizerischen Hebammenverbandes (SHV) - Struktur der Kriterienliste Die finale Liste gliedert sich in drei Hauptbereiche: - Absolute Ausschlusskriterien (z. B. insulinpflichtiger Gestationsdiabetes, Querlage, Mehrlinge) - Relative Ausschlusskriterien mit erhöhter Abwägungspflicht (z. B. vorangegangener Kaiserschnitt, BMI>35) - Rechtliche Grundlagen zur Hausgeburtshilfe in fachlicher Eigenverantwortung der Hebamme. Ergebnisse und Relevanz: Die im Mai 2025 veröffentlichte Kriterienliste soll künftig in kantonale Standards überführt werden. Sie dient der Qualitätssicherung in der Hausgeburtshilfe und verfolgt folgende Ziele: - Erhöhung der Versorgungssicherheit in der ausserklinischen Geburtshilfe - Förderung interprofessioneller Kommunikation durch strukturierte Assessments - Stärkung der Eigenverantwortung gebärender Personen Ausblick: Mit der Einführung dieser Liste wurde ein wichtiger Schritt zur Professionalisierung und Standardisierung der Hausgeburtshilfe getan. Geplant sind regelmässige Aktualisierungen sowie eine wissenschaftliche Evaluation ihrer Auswirkungen auf geburtshilfliche Outcomes in der SHV-Statistik. Darüber hinaus bietet sie eine Argumentationshilfe gegenüber Krankenkassen und Behörden und stärkt die rechtliche Absicherung in potenziellen Streitfällen.