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Es ist ein wertvolles Vorrecht des Rektors, dass er am Stifungsfeste der Universitat das Ohr ihrer Gaste und ihrer Mitglieder fur einen Gegenstand aus dem Umkreise der von ihm vertretenen Wissenschaft in Anspruch nehmen darf: die P icht aber, welche diesem Recht entspricht, verwickelt den Philosophen in ganz besondere Bedenken. Freilich ist es fur ihn verhaltnismassig leicht ein Thema zu nden, das mit Sicherheit auf allgemeines Interesse rechnen kann. Aber dieser Vorteil wird bedeutend durch die Schwierigkeiten uberwogen, welche die Eigenart der philosophischen Untersuchungsweise mit sich bringt. Alle wissenschaftliche Arbeit ist darauf gerichtet, ihren besonderen Gegenstand in einen weiteren Kreis zu rucken und die einzelne Frage aus allgemeineren Gesichtspunkten zu entscheiden. Soweit steht es mit der Philosophie nicht anders als mit den ubrigen Wissenschaften: aber wahrend die letzeren mit einer fur die Spezialforschung genugenden Zuverlassigkeit solche Prinzipien als fest und gegeben behandeln durfen, ist es fur die Philosophie wesentlich, dass ihr eigentliches Untersuchungsobjekt eben die Prinzipien selbst sind, dass sie also ihre Entscheidungen nicht aus einem Allgemeineren ableiten kann sondern jedesmal im Allgemeinsten selber zu bestimmen hat. Fur die Philosophie gibt es streng genommen uberhaupt keine Spezialuntersuchung; jedes ihre Sonderprobleme dehnt seine Linien von selbst in die hochsten und letzten Fragen aus. Wer uber philosophische Dinge philosophisch reden will, muss allemal den Mut haben, im ganzen Stellung zu nehmen, und er muss auch den schwerer zu bewahrenden Mut haben, seine Zuhorer auf das hohe Meer allgemeinster Uberlegungen hinauszufuhren, wo dem Auge wie dem Fuss das feste Land zu entschwinden droht.