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Ein zukunftsfähiger Bahnverkehr, der attraktiv, zuverlässig und leistungsstark ist, erfordert eine grundlegende Modernisierung des gesamten Systems. Nur durch tiefgreifende technologische Innovationen lässt sich das Ziel erreichen, zusätzliche Kapazitäten im Schienennetz zu schaffen und zugleich die Qualität – insbesondere die Pünktlichkeit –nachhaltig zu verbessern. Einen wesentlichen Beitrag dazu leisten digitale Stellwerke (DSTW), das European Train Control System (ETCS), automatisiertes Fahren (ATO) sowie ein integriertes Leit- und Bedienkonzept (iLBS). Die Digitalisierung des Bahnsystems geht dabei weit über einzelne technische Lösungen hinaus. Sie erfordert ein Umdenken in Prozessen, Strukturen und Schnittstellen – über Branchen- und Ländergrenzen hinweg. Hier kommt der Forschung eine entscheidende Rolle zu: Sie muss neue Konzepte entwickeln, Potenziale bewerten und damit die Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung in die Praxis schaffen. Vor diesem Hintergrund wurde am 24. September 2025 die Tagung SRSS in Darmstadt veranstaltet. Das Institut für Bahnsysteme und Bahntechnik der TU Darmstadt organisierte die Veranstaltung gemeinsam mit der DB InfraGO AG sowie dem Fachgebiet Bahnbetrieb und Infrastruktur am Institut für Land- und Seeverkehr der TU Berlin. Rund 85 Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis nahmen teil, verfolgten die vielfältigen Vorträge und brachten ihre Perspektiven aktiv in Diskussionen ein. Unter dem Leitmotiv „Einfach Fahren! – Digitale Transformation im Spannungsfeld Automatisierung, europäische Standardisierung und schneller Rollout“ wurden zentrale Fragen zur Zukunft der Bahn intensiv beleuchtet. Zu Beginn der Tagung eröffnete Dr. Johann Pluy von der ÖBB-Infrastruktur AG mit seiner Keynote „Digitalisierung der Bahninfrastruktur – zwischen Vision und Umsetzung“ die Diskussion. Dabei gab er wertvolle Einblicke in aktuelle Entwicklungen sowie strategische Ansätze zur digitalen Transformation der Bahnwelt. Daran schlossen sich eine Vielzahl von Fachvorträgen an, die ebenfalls auf großes Interesse stießen. Der vorliegende Tagungsband enthält die Beiträge, die erfolgreich den Review-Prozess durchlaufen haben. Sie decken ein breites Spektrum aktueller Forschungs- und Anwendungsfelder ab und bieten sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch praxisnahe Lösungsansätze. Gerade bei komplexen Systemen ist die Standardisierung von entscheidender Bedeutung. In diesem Zusammenhang widmete sich Prof. Dr. Karl-Albrecht Klinge von der Hochschule Mainz in seinem Vortrag der Standardisierung von Konfigurations- und Diagnoseschnittstellen im Kontext des Digitalen Stellwerks. Neben der technischen Standardisierung rückt auch der Faktor Mensch in den Fokus, da dieser das DSTW über das iLBS bedient. Vor diesem Hintergrund präsentierte M.Sc. Felix Friedrich von der TU Darmstadt die Ergebnisse der Evaluation der Richtlinie 400 aus Sicht von Fahrdienstleitern. Da die Teilsysteme eines Gesamtsystems miteinander kommunizieren müssen, ist bei sicherheitsrelevanten Anwendungen wie der Bahn eine verlässliche Kommunikation unabdingbar. Mit diesem Thema befasste sich M. Sc. Lóránt Meszlényi von der Uni Passau und stellte Möglichkeiten der sicheren Kommunikation im Eisenbahnkontext vor. Zudem wurden methodische Ansätze zur Unterstützung der Infrastrukturplanung präsentiert. Dipl.-Ing. Johannes Elstner und B.Sc. Julius Bullinge von SIGNON stellten einen Algorithmus zur automatisierten Generierung der Darstellung von Spurplänen vor. Daran anschließend zeigte Konstantin Geist von der Hochschule Mainz, wie Prognosemodelle für Bahnübergangschließungen dazu beitragen können, dass Rettungskräfte schneller am Unfallort eintreffen. Neben algorithmischen Ansätzen rückten auch neue Sensortechnologien in den Fokus. Dr.-Ing. Christian Robl von M2C und Dip. Oec. Michael Osterkamp von Progress Rail stellten in ihrem Vortrag den Einsatz von LiDAR- Systemen an infrastrukturseitigen Checkpoints vor. Einen praxisnahen Blick auf den Bahnbetrieb boten zudem Prof. Dr. Niclas Zeller von der Hochschule Karlsruhe und Dipl.-Ing. Andreas A. Freese von DB Systel, die eine 3D- Rekonstruktion aus Streckenvideos vorstellten. Diese ermöglicht es, präzise Modelle der Schieneninfrastruktur zu erstellen und so die reale Umgebung digital nachzubilden. Analog zur Entwicklungsphase sicherheitsrelevanter Systeme wurde zum Abschluss der Tagung das Thema Validierung und Verifizierung aufgegriffen. Dipl.-Ing. Susanne Wunsch von der TU Dresden zeigte in ihrem Vortrag, wie eine systematische Kartierungsstudie dazu beitragen kann, innovative Lösungsansätze für die aktuellen Herausforderungen bei der Validierung und Verifizierung von Projektierungsdatensätzen der Leit- und Sicherungstechnik zu entwickeln. Die in diesem Tagungsband versammelten Beiträge verdeutlichen die thematische Breite und die Dynamik der aktuellen Entwicklungen. Sie machen zugleich sichtbar, welche Impulse die Branche in den kommenden Jahren bewegen werden.