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Die vorliegende Beschreibung typischer Problem- und Bedarfslagen von Versicherten mit erhöhtem Erwerbsminderungsrisiko basiert auf den Erkenntnissen des Projekts „EXPLORE-RI-EMR“ und richtet sich als Praxishilfe vor allem an im Kontext der Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung (DRV) tätige Personen, wie z. B. Reha(fach)berater:innen und Sozialmediziner:innen. „RI-EMR“ steht für Risikoindex Erwerbsminderungsrente, ein Kennwert der gebildet auf Basis von Routinedaten der DRV eine Aussage über das statistische Risiko einer Person erlaubt, in den kommenden 5 Jahren in eine Erwerbsminderungsrente einzumünden. Ein hohes Erwerbsminderungsrisiko besteht ab einem Wert von 60. In dem Projekt wurden 50 aktiv Versicherte mit hohem Erwerbsminderungsrisiko (RI-EMR ≥ 60) interviewt. Im Fokus der Interviews standen ihre Erkrankungsgeschichten, bisherigen Versorgungserfahrungen, Erwerbsbiographien, Unterstützungsbedarfe und beruflichen Perspektiven. Ergänzend wurden etwaige Reha-Zugangsbarrieren erhoben. Die Interviews wurden zunächst einzeln für sich ausgewertet, anschließend systematisch miteinander verglichen. Ziel war es, mehr über die konkreten Problem- und Bedarfslagen von Versicherten mit hohem Erwerbsminderungsrisiko zu erfahren, um auf dieser Basis proaktive Ansprachen sowie Beratungs- und Unterstützungsangebote der DRV passgenauer aufsetzen und ausgestalten zu können. Insbesondere sollte auch geprüft werden, inwiefern es innerhalb der betrachteten Versichertengruppe verschiedene Falltypen gibt, die ein entsprechend differenziertes Vorgehen in Ansprache und Unterstützung erforderlich machen. Nach Identifikation der Falltypen, wurde anschließend versucht, diese anhand zentraler Merkmale in den Routinedaten der Rentenversicherung wiederzufinden. So könnten Versicherte künftig bereits anhand von Routinedaten den unterschiedlichen Falltypen zugeordnet und Ansprachen wie Beratung und Unterstützung bedarfsorientiert auf sie zugeschnitten werden. Ferner lassen sich so auch die Anteile der identifizierten Falltypen in der Grundgesamtheit der aktiv Versicherten mit hohem Erwerbsminderungsrisiko und damit wiederum die mit bestimmten Ansprachen und Unterstützungsangeboten verbundenen Aufwände abschätzen. Es zeigte sich, dass die Falltypen sich über falltypische Verläufe des RI-EMR, der Beiträge aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, der Bezüge von Arbeitslosengeld I und II sowie von Krankengeld näherungsweise abbilden lassen. In der Darstellung der Falltypen finden sich daher sowohl aus den Interviews gewonnene Informationen, als auch solche, die Routinedaten entnommen werden können. Fallbeispiele und Zitate dienen der weiteren Illustration.