Search for a command to run...
Abstract Der Beitrag beleuchtet die Herausforderung des Gemeinsinns durch Identitätspolitik und unterzieht die vermeintliche Opposition von Universalismus und Partikularismus der kritischen Analyse. Mit Bezugnahme auf Diskurse zu woke und cancel culture auf beiden Seiten des Atlantiks untersuchen die Autor:innen identitätspolitische Mobilisierungen im Kontext der andauernden culture wars , in denen Identität und Gemeinsinn als angeblich nicht zu vermittelnde Antipoden aufeinander treffen. Entgegen der polemischen Reduktion von Identitätspolitiken auf Identitarismus beruft sich die Argumentation auf Hannah Arendt, um gegen die Verengung auf das je Eigene die Dimension des intersubjektiven Urteilens und Handelns als emanzipatorischen Kern gelingender Identitätspolitik zu bestimmen. Anstatt deren angeblichen Solipsismus gegen die behauptete Allgemeingültigkeit des Gemeinsinns auszuspielen, betrachten die Autor:innen diesen als unauflösbare Kippfigur, die zwischen demokratischem Partizipationsversprechen und kulturkritischem Ressentiment changiert. Entsprechend betont der Beitrag die dialektische Rolle des Gemeinsinns von Paine bis zum derzeitigen autoritären Populismus und fordert das Zusammendenken von Identität und Gemeinsinn auf der Grundlage reflexiven, ästhetisch-politischen Urteilens ein.