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Zusammenfassung Während entzündlich-rheumatische Erkrankungen in der Regel in erster Linie medikamentös behandelt werden, spielen bei vorwiegend degenerativen muskuloskelettalen Erkrankungen Lebensstilfaktoren und nichtmedikamentöse Therapien eine wichtige Rolle. Interessanterweise halten sich allerdings je nach Studie etwa 30–80 % der Patient:innen weder an die Einnahme von Medikamenten, noch an nichtpharmakologische Therapieempfehlungen im Alltag oder kommen gar nicht mehr zu Kontroll- oder Therapieterminen. Die Patient:innen geben dabei auch ganz unterschiedliche Gründe an, diese reichen von mangelndem Vertrauen in die Kompetenz von medizinischem Fachpersonal über das schlichte Ablehnen bestimmter Maßnahmen zu sinkender Motivation für körperliche Aktivität oder Verhaltensveränderung über die Zeit [13]. Werden allerdings die Behandlungsempfehlungen nicht eingehalten, ist mit schlechteren Outcomes zu rechnen. Adhärenz bedeutet, dass Patient:innen empfohlene Behandlungen im Alltag wie vereinbart umsetzen, z. B. Medikamente korrekt einnehmen, Übungen durchführen oder Behandlungstermine einhalten. Adhärenz ist ein Verhalten, das sich je nach Alter, Lebensphase und Krankheitsverlauf verändern kann. Bei Kindern ist Adhärenz vor allem ein Zusammenspiel zwischen Eltern, Kind und dem Behandlungsteam. Anfangs liegt die Verantwortung bei den Eltern, während das Kind langsam an die Behandlung und Adhärenz herangeführt wird. Besonders herausfordernd ist die Adoleszenz: Sie gilt als kritischer Übergang, in dem die Verantwortung für die Behandlung und damit auch für die Adhärenz zunehmend an die Jugendlichen selbst übergeben wird. Im Erwachsenenalter hängt Adhärenz stärker von individuellen Einstellungen, Lebensumständen und vom Vertrauen in das Behandlungsteam ab. Das Gesundheitspersonal spielt in allen Phasen durch empathische Kommunikation, verständliche Information und das Formulieren von gemeinsame Therapiezielen eine zentrale Rolle. Die EULAR hat praxisorientierte Empfehlungen („points to consider“) für Erwachsene veröffentlicht; für Kinder und die Übergangsphase in das Erwachsenenalter fehlen solche bislang. Adhärenzförderung bleibt eine interdisziplinäre Aufgabe, die Zeit, Sensibilität und passende Rahmenbedingungen erfordert.