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Zusammenfassung Die Einstellungen, Kenntnisse und Erwartungen der Fachkräfte der Suchthilfe an eine Cannabisregulierung sind zentrale Einflussfaktoren für eine diversitätssensible, evidenzbasierte Versorgung von Menschen mit unterschiedlichen Ausprägungen und Formen von cannabisbezogenen Problemlagen. Die vorliegende Arbeit erhob entsprechende Daten aus unterschiedlichen Handlungsfeldern. Nach einer prä-Studie mit 10 Expert_inneninterviews, wurde eine anonyme Online-Umfrage im Dezember 2022 unter n=330 in NRW tätigen Fachkräften der Suchthilfe durchgeführt und Angaben zu cannabisbezogener Fortbildung und Tätigkeit sowie Einstellungen und Erwartungen zu einer Legalisierung erhoben. Von den Befragten hatten 53,3% weniger als zwei Stunden cannabisspezifische Fortbildung. Intensivere Fortbildung ging mit einer schlechteren Einschätzung der cannabisbezogenen Hilfen einher. Trotz tendenziell positiver Einstellung zur Cannabislegalisierung wurden bis auf die Bereiche der Straffälligenhilfe eher eine Problemaggravation insbesondere in der Jugendhilfe, Suchtberatung, Suchtprävention und Familienhilfe, bei Jugendlichen sowie bei Menschen mit Cannabisabhängigkeit und bei Menschen mit geringem Bildungsgrad erwartet. Die Ergebnisse zeigen, dass vor der Cannabislegalisierung ein deutlicher Mangel an cannabisspezifischer Ausbildung in der Suchthilfe bestand und die Erwartungen, für wen eine Cannabislegalisierung Problemlagen reduziert, sehr differenziert betrachtet werden müsste. Ein Widerspruch in einer generalistischen Positiv-Sicht auf die Cannabislegalisierung und der differenzierten Einschätzung einer Problemverstärkung für vulnerable Gruppen wird diskutiert.