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Bei der Auslegung von Betriebsmitteln in Hoch- und Höchstspannungsnetzen spielen transiente Überspannungsbelastungen und die damit verbundene Isolationskoordination eine entscheidende Rolle. Für klassische Freileitungsnetze ist dieses Überspannungsverhalten bekannt und normativ festgehalten. Aktuell werden vermehrt Kabel in Übertragungsnetzen eingesetzt, und der Gesamtver-kabelungsgrad wird zukünftig weiter ansteigen. Aufgrund der abweichenden elektrischen Eigen-schaften von Kabeln im Vergleich zu Freileitungen ist infolgedessen eine Beeinflussung des transien-ten Verhaltens zu erwarten. Die abweichende Charakteristik zeigt sich insbesondere in Form einer größeren Erdkapazität, eines niedrigeren Wellenwiderstands und einer geringeren Ausbreitungsge-schwindigkeit von verschiedenen Wanderwellen-Ausbreitungsmoden. Die Auswirkungen dieser ver-änderten Eigenschaften auf transiente Überspannungen wurden bisher lediglich für spezifische Pro-jekte untersucht. Dabei standen primär Leiterspannungen im Fokus, und weitere Belastungen wur-den lediglich bei spezifischen Projekten untersucht. Aus diesen Gründen erfolgt in dieser Arbeit eine allgemeine Untersuchung des Einflusses eines insgesamt hohen Verkabelungsgrades auf transiente Überspannungen und weitere Belastungen in Folge von Schalthandlungen. Als Basis der Betrachtung werden bestehende Modellierungen für die-sen Untersuchungsbereich in dem Simulationsprogramm EMTP ATP Draw zusammengestellt und im Bedarfsfall erweitert. Die Grundlage dazu bildet ein typisches 420 kV-Netz, repräsentativ für Übertragungsnetze in Europa. Darauf aufbauend werden verschiedene relevante Phänomene simu-lativ über statistische Schaltvorgänge analysiert, Grenzwertüberschreitungen detektiert und Maß-nahmen daraus abgeleitet. Ziel ist es, ausgehend von einem Freileitungsnetz möglichst allgemeingül-tig die Machbarkeit der Umsetzung eines höheren Verkabelungsgrades bis hin zu einer Vollverkabe-lung zu prüfen. Falls Maßnahmen erforderlich sind, werden diese vorgestellt und diskutiert. Die untersuchten Phänomene umfassen zum einen die stationäre Auslegung sowie Resonanz-phänomene wie Leitungs- und Transformatorresonanzfälle. Zum anderen werden Aus- und Ein-schaltvorgänge analysiert, wobei aus erstgenannten potenzielle Restladungen in die Betrachtung von Einschaltprozessen mit einfließen. Darüber hinaus werden aus Kurzschlussfällen resultierende Überspannungen betrachtet. Bei allen Untersuchungsfällen werden diverse potenziell mögliche Be-lastungen ermittelt. Dazu zählen Leiterspannungen, Kabelmantelspannungen sowie Energieauf-nahmen von entsprechenden Phasenableitern und Mantelspannungsbegrenzern. Im Anschluss er-folgt eine Bewertung der daraus resultierenden Leistungsschalterbelastungen. In einem weiteren Schritt wird die Energieaufnahme von induktiven Betriebsmitteln bei Ausschaltungen von verkabel-ten Übertragungsstrecken überprüft. Als Basis der jeweiligen Untersuchungen werden, soweit mög-lich, analytische Abschätzungen durchgeführt. Insgesamt hat sich gezeigt, dass Übertragungsnetze mit zunehmendem Verkabelungsgrad kom-plizierter werden, da multiple Phänomene kritische Belastungen nach sich ziehen können und auf-tretende Wanderwellen auf zunehmende Unstetigkeitsstellen treffen. Dies zieht einen höheren Pla-nungsaufwand nach sich und in hier definierten kritischen Bereichen besteht der Bedarf nach spezi-fischen Einzelfalluntersuchungen. Obwohl bei den Untersuchungen festgestellt wurde, dass einzelne Szenarien kritische Belastun-gen nach sich ziehen, lässt sich jedoch festhalten, dass eine Erhöhung des Kabelanteils in Höchst-spannungsnetzen unter dem Gesichtspunkt des transienten Überspannungsverhaltens mit den in dieser Arbeit vorgestellten Maßnahmen auch bis zur Vollverkabelung möglich ist.