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Soziale Onlinenetzwerke, digitale Kommunikationsmedien und Computerspiele sind fester Bestandteil des Freizeitverhaltens und der alltäglichen Kommunikation von Jugendlichen geworden. Diese Entwicklungen können einen bedeutsamen Einfluss auf die Beziehungsqualität und das Wohlbefinden junger Menschen haben. Die Forschungslage zeigt diesbezüglich ein uneinheitliches Bild. Der Digitalisierung werden sowohl einsamkeitsstiftende als auch einsamkeitsentgegenwirkende Wirkungsphänomene zugesprochen. Während beispielsweise subjektiv stark empfundene Einsamkeit mit häufiger Internetnutzung zusammenhängt, können medialisierte Beziehungspraktiken auch mit erhöhtem Zugehörigkeitsgefühl einhergehen. Im Bemühen, diese heterogenen Befunde vertiefend zu erforschen, verfolgt der vorliegende Beitrag das Ziel, die psychometrische Validierung zweier Skalen zur Erfassung von realweltlicher und virtueller Einsamkeit bei Schweizer Schüler:innen vorzunehmen und deren Zusammenhang mit dem Konstrukt der sozialen Beziehungen zu untersuchen. Datengrundlage bildet die internationale Ländervergleichsstudie International Computer and Information Literacy Study (ICILS). Mittels konfirmatorischer Faktorenanalysen wurde die faktorielle Validität geprüft, wobei ein drei-faktorielles Modell (virtuelle Einsamkeit, realweltliche Einsamkeit, soziale Beziehungen) mit alternativen Messmodellen (zwei-faktorielles Modell, Generalfaktormodell) verglichen wurde. Darüber hinaus wurden die Konstrukttrennung getestet und die Zusammenhänge mit sozialen Beziehungen modelliert. Die Ergebnisse zeigen, dass virtuelle und realweltliche Einsamkeit miteinander korrelieren, sich jedoch inhaltsbezogen signifikant voneinander unterscheiden sowie analytisch und messmodelltheoretisch klar trennen lassen. Die Ergebnisse legen zudem nahe, dass ein inverser Zusammenhang zwischen zunehmender realweltlicher und virtueller Einsamkeit und sozialen Beziehungen besteht.
Published in: MedienPädagogik Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung