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Zusammenfassung Hintergrund Die Belastung durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie traf Menschen mit psychischen Erkrankungen besonders schwer. Da gleichzeitig viele professionelle Hilfsangebote reduziert wurden, ergaben sich Engpässe. Die Studie untersucht, wie Familien mit psychisch erkrankten Mitgliedern und Fachkräfte aus der psychosozialen Versorgung die Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen erlebten, mit Fokus auf die Funktionsfähigkeit von Institutionen und professioneller Unterstützung, die Konsequenzen von Versorgungsdefiziten sowie potentielle Ansätze zur Verbesserung der psychosozialen Versorgung in Krisensituationen. Methodik Qualitative Analyse auf Basis von 12 Leitfadeninterviews (von psychischer Krankheit betroffene Erwachsene und Familien) sowie von 2 Fokusgruppeninterviews mit Fachkräften der psychischen Gesundheit. Ergebnisse Psychisch belastete Erwachsene, die auch während der Pandemie institutionell angebunden waren, wiesen eine relativ hohe Zufriedenheit mit den Hilfssystemen auf. Familien mit psychisch erkrankten Kindern oder Sorgeberechtigten konnten den Ausfall von institutionellen Bildungs- und Betreuungsangeboten (wie Kita, Schule und Hort) nicht durch Gesundheits- und Jugendhilfeleistungen kompensieren. Insbesondere psychisch belastete Familien mit Schulkindern waren überfordert, Schulschließungen konnten als zentraler Stressor identifiziert werden. Diskussion Schulschließungen und der Wegfall von externen Betreuungsangeboten haben ein erhebliches Schädigungspotenzial für vulnerable Familien. Zukünftige Maßnahmen sollten niedrigschwellige, krisenfeste und vernetzte Unterstützungsangebote schaffen, um das Bewältigungspotential vulnerabler Gruppen zu erhalten. Für die Gewährleistung einer Pflichtversorgung in Krisenzeiten ist es essenziell, dass psychosoziale Leistungserbringer Kenntnis über die jeweiligen vulnerablen Populationen haben. Um bedarfsgerechte Unterstützung leisten zu können, ist eine bessere Vernetzung der Hilfssysteme erforderlich.