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Als ich Anfang 2017, damals noch als Sprecher der Geschäftsführung von bauforumstahl, in der Stahlbau die ersten Ergebnisse für die neue Stahlbau-Richtlinie für Ende des Jahres ankündigte, hätte ich mir zwei Dinge nicht träumen lassen. Zum einen nicht, dass das Endprodukt erst geschlagene acht Jahre später öffentlich verfügbar sein würde – nämlich Ende 2025. Und zum anderen nicht, dass sich mein lapidares Wortspiel Eurocode – Easycode derart durchsetzen würde. Mit meiner unbedachten Ernennung der Richtlinie zum „Code“, zur Norm also, war der geregelte Weg quasi skizziert, während nicht nur ich mir eher eine schnell verfügbare Arbeitshilfe vorgestellt hatte. Und dann brauchte es offenbar viel Zeit, um aus der fertigen Arbeitshilfe eine Norm zu machen. Das lag nicht ansatzweise an den Ingenieuren, sondern an den Hochschulen und Verbänden, die ihre Juristen nicht bändigen konnten, an Bedenkenträgern und Normengremien sowie am Hin- und Herschieben von Rechten. Spuren der aktuell politisch viel bemühten Entbürokratisierung sind da schwerlich zu finden. Zurück zum Ausgangspunkt: Angedacht war – ich zitiere mich selbst –: „Die Stahlbau-Richtlinie soll den Eurocode nicht ersetzen oder ihm gar widersprechen. Vielmehr ist sie als praktische Vereinfachung innerhalb des Geltungsbereichs und der Konzepte des Eurocodes gedacht“. Weiter schrieb ich an gleicher Stelle vor neun Jahren: „Die Richtlinie soll alle für den Tragwerksplaner nötigen Informationen strukturiert enthalten und auf Querverweise verzichten. So sollen komplexe Formeln – auf der sicheren Seite liegend – vereinfacht und mit Tabellen oder Nomogrammen ausgewertet werden können. Im Rahmen der Anwendungsgrenzen soll damit der Zurückhaltung vieler Tragwerksplaner bei der Anwendung von Stahl entgegengewirkt und eine schnelle, sichere Stahlbaubemessung ermöglicht werden“. Diesen Anforderungen sind die Autoren der Stahlbau-Richtlinie, Markus Feldmann und Jörg Laumann et al. mehr als gerecht geworden. Dies stellte seinerzeit, Anfang 2018, der von mir geleitete projektbegleitende Ausschuss von Ingenieurkammer Bau NRW, Vereinigung der Prüfingenieure NRW und bauforumstahl fest. Die nun Easycode genannte Arbeitshilfe ist auftragsgemäß kompatibel zum EC 3, und ein widerspruchsfreier Wechsel in den EC 3 sollte jederzeit möglich sein. Aus praktischer Sicht trauere ich einer bereits 2018 publizierten Stahlbau-Richtlinie ein wenig nach, die in Abstimmung mit den Prüfingenieuren als vereinfachte Auslegung des EC 3 hätte angewendet werden können. Auf der anderen Seite haben wir nun einen mit viel Mühe eingeführten Easycode 3, was aus strategischer deutscher Perspektive vielleicht mittelfristig wesentlich höher einzuschätzen ist. Es scheint offensichtlich, dass die Eurocodes der zweiten Generation weder schlanker noch übersichtlicher werden – und es mag gute Gründe dafür geben. Umso notwendiger ist jedoch ein sachlicher Diskurs zu praktisch vereinfachten, aber voll kompatiblen Eurocode-Versionen für Standardanwendungen jenseits der Mutter-Eurocodes, die berechtigterweise den gesamten technischen Fortschritt dokumentieren. Ich halte die Idee der Richtlinien oder vereinfachten Normen als Arbeitshilfen für Standardanwendungen nach wie vor für sehr gut. Und ich denke auch, weitere Richtlinien im Holzbau oder Stahlbetonbau sind ebenso sinnvoll. Die Frage, ob Richtlinie oder einfache Norm, lässt mich aus heutiger praktischer Sicht für Ersteres plädieren. Langfristig strategisch stimme ich letztlich aber doch für die Easycodes. Überhaupt nicht überzeugt bin ich jedoch von der technisch unproduktiven und zeitlich enorm aufwendigen Umsetzung des Easycode 3 über so viele Jahre. Wir reden immer von schlanken und schnellen Prozessen und meinen damit gerne die Verwaltung oder die weltfremde Politik. Das hier aber haben wir uns mit unseren Verbänden, Ausschüssen und Kammern selbst geschaffen. Auch wenn diese Milch nun verschüttet ist, können wir die künftigen Easycodes im Einklang mit den Eurocodes der zweiten Generation nur besser – und vor allem schneller – machen. Dr. Bernhard Hauke