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Warum schreiben wir im Kontext von BIRD Szenarien? Mithilfe von Szenarien können soziotechnische Systeme nach dem Ansatz des szenario-basierten Designs (Rosson & Carroll, 2002) von Beginn an nutzerzentriert gestaltet werden. Dieses mehrstufige Design-Framework erleichtert durch wiederholte Teilschritte das Verständnis von Designentscheidungen und richtet diese gezielt an den Anforderungen der Nutzergruppe aus. Die Szenarien werden in Prosaform erstellt und einem festen Kontext zugeordnet. Basierend auf den ermittelten Anforderungen aus einer qualitativen Studie (Bustorff et al., 2023) wurden in mehreren Workshops die wichtigsten Anwendungsfälle aus den verschiedenen BIRD-Dimensionen gesammelt und später in Expert:innengruppen als Szenarien ausgearbeitet. Der Kanon an Szenarien ist dynamisch. Neue Rahmenbedingungen bringen entweder neue Szenarien hervor oder führen zur Depriorisierung bestehender Szenarien. Einige Szenarien sind keine expliziten Bildungsszenarien, haben ihren unmittelbaren Anlass also nicht in einem lehr- oder lernbezogenen Handlungsproblem, sondern betreffen allgemeine Registrierungs- und Orientierungsprozesse innerhalb des Systems. Diese stellen gegebenenfalls notwendige, mehr oder weniger uniforme Zwischenschritte auf dem Weg zum Lösen des Handlungsproblems, Voraussetzungen oder ein “Mittel zum Zweck” dar, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Die Szenarien sind zeitlich nicht vorgelagert, sondern finden parallel zueinander statt. So kann es sein, dass eine Persona zeitgleich unterschiedliche Probleme hat und versucht diese via BIRD zu lösen, ohne dass die Ergebnisse aus einem Szenario auf einem anderen aufbauen oder dieses beeinflussen. Warum haben wir diesen Aufbau gewählt? Die Szenarien sind in zwei Teile unterteilt: das Problemszenario und das Aktivitätsszenario. Zu Beginn eines jeden Szenarios wird im Problemszenario das Handlungsproblem der Persona beschrieben, die durch ein Szenario begleitet wird. Das Problemszenario gliedert sich in die folgenden fünf Abschnitte: Einleitung, Problemdefinition, Hintergrund und Kontext, Auswirkungen des Problems (auf die Persona) sowie Versuche zur Problemlösung vor BIRD. Jeder dieser Abschnitte trägt dazu bei das Problem der Persona besser zu verstehen und unterstützt die Handlungen innerhalb des Aktivitätsszenarios. Die „Einleitung“ bietet eine Einführung in das Thema und in das Problem, dem sich die Persona gegenübersieht. Die „Problemdefinition“ beschreibt das Kernproblem der Persona. Der Abschnitt „Hintergrund und Kontext“ beleuchtet Hintergrundinformationen, die aus Sicht der Persona relevant sind. Die „Auswirkungen des Problems (auf die Persona)“ verdeutlichen die Konsequenzen des Problems und den Leidensdruck der Persona. Schließlich werden im Abschnitt „Pre BIRD Lösungsversuche“ die bisherigen Lösungsansätze der Persona aufgeführt und bewertet. Im Anschluss folgt das Aktivitätsszenario, welches das Vorgehen der Persona innerhalb von BIRD beschreibt. Abhängig von der Problemstellung kann das Erreichen des Ziels einen oder mehrere Parts erfordern. Die Aktivitätsszenarien sind in Schritte unterteilt, welche die Persona durchläuft, um ihr Ziel zu erreichen. Dabei ist zu beachten, dass es sich bei den Schritten nicht lediglich um Klickanleitungen handelt, sondern auch die Gewohnheiten und Emotionen der Persona berücksichtigt werden. Die Aktivitätsszenarien dienen als Grundlage für technische Implementierungen. Wie kategorisieren wir die Szenarien? In Bustorff et al. 2023 wurden die drei wichtigsten Dimensionen von BIRD ermittelt, welche wir auch als übergeordnetes Kategoriensystem für die Szenarien verwenden (I. Informieren, II Sammeln und Erarbeiten, III Entdecken und Vernetzen). Darüber hinaus haben wir folgendes Ordnungsschema angewandt: Allgemeine Szenarien I Informieren II Sammeln und Erarbeiten Eigener Arbeitsbereich (01): Szenarien, die die eigenständige Nutzung betonen Kollektiver Arbeitsbereich (02): Szenarien, die die kollaborative Nutzung im Fokus haben (einschließlich Einzel- und Gruppennutzung) III Entdecken und Vernetzen 1 zu 1 Matching (01): Buddy Finder Szenarien, in welchen sich zwei Einzelpersonen vernetzen 1 zu x Matching (02): Buddy Finder Szenarien, in welchen sich eine Einzelperson mit einer Gruppe vernetzt weitere Szenarien zum Netzwerk Alle Unterkategorien sind unterteilt in die Domänen "Schule", "Hochschule", "Berufliche Bildung" und "Erwachsenenbildung". Woher nehmen wir den Input für die Szenarien? In einem der Vorgängerprojekte “eLiS” (e-Learning in Studienbereichen) wurden 170 User Stories von Hochschulangehörigen erhoben, die in die Konzeption von CampusUP eingeflossen sind (Hafer, Kiy & Lucke 2014). Diese dienten als eine der wichtigsten Datengrundlagen für das Szenario-Repositorium. Ergänzend wurden die im Rahmen des Projekts "Digitaler Campus" erhobenen und bis dato unveröffentlichten Befragungen und Anforderungen nachgenutzt. Darüber hinaus lieferte die leitfadengestützte qualitative Studie zu BIRD Einblicke in die Wahrnehmung von Lernenden zu Übergängen im Bildungssystem sowie konkrete Wünsche an eine Vernetzungsinfrastruktur für die Bildung (Bustorff et al., 2023). Weitere Erkenntnisse wurden durch die Ergebnisse der in Veröffentlichung befindlichen Umfrage zu gewünschten Metadaten im Buddy Finder generiert. Ergänzt wurden diese internen Daten durch eine umfassende Online-Recherche zu bestehenden Lösungen und Diensten sowie durch den wertvollen Input des personell starken, interdisziplinären Konsortiums. Warum haben wir Änderungen an den Szenarien vorgenommen? Die Szenarien haben sich nicht nur in der Struktur des Ablaufs und der Klassifikation verändert, sondern auch in den ausgewählten Personas und den technischen Möglichkeiten der bekannten BIRD-Komponenten. Diese Anpassungen sind Teil des iterativen Arbeitsprozesses im Projekt Bildungsraum Digital und werden in jedem Szenario unter dem Vermerk „edited for clarity“ festgehalten. Die Veränderung der Ablaufstruktur ist bei allen Szenarien konsistent: so wurde anstelle des Nutzerbedürfnisses das Problemszenario ausgearbeitet (siehe oben), um das spezifische Handlungsproblem der Persona und den Grund für die Nutzung von BIRD in den Vordergrund zu stellen. Die Veränderungen in der Klassifikation oder Zuordnung zu den Feldern sind minimal und betreffen lediglich die Dimensionen in BIRD, die Bildungsbereiche sowie die verwendeten Komponenten. Diese Modifikationen sind als Teil des Entstehungsprozesses und der Rückkopplung zu verstehen. Alle Szenarien sind unter Lizenz CC BY 4.0 veröffentlicht. Literatur: Bustorff, A., Tille, R., Wisniewski, S., Blum, F., Lucke, U. (2023). Nutzungsanforderungen, pädagogische Überlegungen und Grobstruktur einer digitalen Vernetzungsinfrastruktur für die Bildung. eleed, Issue se2023. Hafer, J., Kiy, A., Lucke, U. (2014). Moodle & Co. auf dem Weg zur Personal Learning Environment. eleed, Issue 10 Rosson, M.B., Carroll, J.M. (2002). Scenario-Based Design. In J. Jacko & A. Sears (Eds.). The Human-Computer Interaction Handbook: Fundamentals, Evolving Technologies and Emerging Applications. Lawrence Erlbaum Associates, pp. 1032-1050.