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Trotz der nach der Psychiatrie-Enquete etablierten sozialpsychiatrischen Reformen zur Humanisierung der Akutpsychiatrie bleibt aggressives Verhalten bei akuten psychotischen Patienten nicht vollständig vermeidbar. Zur Prävention sind differenzierte strukturelle, milieutherapeutische und interinstitutionelle Konzepte erforderlich, die den Schutz von Patienten, Mitpatienten und Mitarbeitenden gleichermaßen berücksichtigen. Im Jahr 2018 wurde unsere Akutstation baulich und konzeptionell zu einer Station mit Soteria-Elementen weiterentwickelt. Eine kleine geschützte Einheit mit 6 Behandlungsplätzen geht fließend in eine offene Einheit mit 15 Plätzen über. Diese ist wohnlich und reizarm gestaltet und bietet ein strukturiertes Tagesprogramm mit gemeinschaftlichen Aktivitäten und gruppentherapeutischen Angeboten. Ergänzt wird das Setting durch ein multiprofessionelles Team mit spezifischer Schulung in Deeskalation und Gesprächsführung, das konsequent beziehungsorientiert arbeitet. Prä-post-Vergleiche zeigten einen signifikanten Rückgang aggressiver Übergriffe, eine verlängerte Behandlungszeit im offenen Setting sowie eine verbesserte nachhaltige Anbindung an das psychiatrische Versorgungssystem. Das Konzept erwies sich auch bei Patienten mit Doppeldiagnosen als wirksam. Ein weiterer präventiver Baustein ist der 2022 gegründete „Runde Tisch Psychiatrie–Polizei Oberhavel“. Quartalsweise erörtern Vertreter der Akutpsychiatrie, der Polizei, des sozialpsychiatrischen Dienstes, der Betreuungsgerichte und des Rettungsdienstes anonymisiert komplexe Fallkonstellationen und entwickeln Lösungsansätze. Das verbesserte interdisziplinäre Verständnis und optimierte Schnittstellen tragen zusätzlich zur Reduktion von Aggression und Gewalt bei.