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Zusammenfassung Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) und das cholangiozelluläre Karzinom (CCA) zählen zu den prognostisch ungünstigsten primären Lebertumoren und erfordern aufgrund ihrer biologischen Komplexität, der häufig eingeschränkten Leberfunktion und des breiten therapeutischen Spektrums eine konsequente multidisziplinäre Behandlungsstrategie. Das Multidisziplinäre Tumorboard (MDT) ist dabei nicht nur ein organisatorisches Instrument, sondern eine medizinische Notwendigkeit, die in allen maßgeblichen internationalen Leitlinien als Versorgungsstandard verankert ist. Beim HCC umfasst das therapeutische Spektrum des MDT kurative Ansätze im Frühstadium – Resektion, Lebertransplantation und thermische Ablation – sowie lokoregionäre Verfahren im Intermediärstadium, insbesondere die transarterielle Chemoembolisation (TACE), die Radioembolisation mit 90 Yttrium ( 90 Y) und die stereotaktische Körperradiotherapie (SBRT). Letztere bietet entscheidende Vorteile bei gefäßnahen oder zwerchfellnahen Läsionen sowie bei Pfortaderthrombose und ergänzt das interventionelle Spektrum in Kombination mit TACE. Im fortgeschrittenen Stadium hat die immuncheckpointbasierte Kombinationstherapie – allen voran Atezolizumab plus Bevacizumab (IMbrave150) sowie Tremelimumab plus Durvalumab (HIMALAYA) – die systemische Erstlinientherapie grundlegend verändert und das mediane Gesamtüberleben auf bis zu 19 Monate verbessert. Die Evidenz für den Mehrwert des MDT beim HCC ist überzeugend: MDT-versorgte Patienten erhalten ihre Diagnose in früheren Stadien, werden schneller therapiert und zeigen 5‑Jahres-Überlebensraten von bis zu 71 % gegenüber 59 % ohne MDT-Anbindung. Beim CCA steht neben der R0-Resektion als einzigem kurativem Ansatz die Integration molekularer Diagnostik – insbesondere Next-Generation-Sequencing(NGS)-basiertes Profiling für FGFR2-, IDH1- und HER2-Alterationen – als zentrale MTB-Aufgabe im Vordergrund. Die Indikationsstellung zur neoadjuvanten Chemotherapie bei Borderline-Resektabilität, die Koordination lokoregionärer Verfahren sowie die Selektion für Transplantationsprotokolle bei hochselektierten Patienten sind weitere genuine MDT-Entscheidungen. Zusammenfassend belegt die aktuelle Evidenz, dass optimale onkologische Ergebnisse bei HCC und CCA nur durch die nahtlose Integration aller relevanten Fachdisziplinen im MDT erzielbar sind. Die Referenzierung von Patienten an Tertiärzentren mit etablierten hepatobiliären MDT-Strukturen sollte als verbindlicher Qualitätsstandard gelten.